Hallo Liebe Forengemeinde!
Am folgendem Beispiel einer der am weitesten verbreiteten und bekannten Quallenart „Aurelia Aurita – Ohrenqualle“
Aurelia Aurita
Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
Klasse: Schirmquallen (Scyphozoa)
Ordnung: Fahnenquallen (Semaeostomeae)
Familie: Ulmariidae
Gattung: Aurelia
Art: Ohrenquallen
Die bekannteste Fahnenqualle (Ordnung Semaestomeae) ist die weltweit verbreitete Ohrenqualle (Aurelia aurita). Im Englischen ist sie bekannt unter dem Namen "Moon jellyfish". Sie gehört zur Klasse der "Echten Quallen" oder Scheibenquallen (Scyphozoa), die wiederum zum Stamm der Cnidaria, der "Nesseltiere" gehört und ist ein Vertreter der Familie Ulmariidae.
Ein besonders typisches Charakteristikum der "Echten Quallen" ist ihre Doppelsymmetrie. So besitzen sie vier Magensäcke, vier Mundlappen, und alle Arten von kleinen Sinnesorganen treten vierfach oder in durch vier teilbaren Mengen auf. Der Name der Ohrenqualle leitet sich von der Form der vier Gonaden (=Geschlechtsorgane) ab, die ohrenförmig gelblich oder violett durch den Schirm hindurchschimmern.
Diese Medusenart ist getrenntgeschlechtlich. Männliche Medusen dieser Art erkennt man an der weißen bis orangen Hodenfärbung, die Ovarien der weiblichen Ohrenquallen sind hingegen rotviolett gefärbt. Der Körper der Ohrenquallen hat einen Wassergehalt von nahezu 98%; er ist farblos durchsichtig. Der Körper gleicht einem umgestülpten Teller der 25, in Ausnahmefällen bis zu 40 Zentimeter Durchmesser
erreichen kann. Die Ohrenqualle besitzt nur eine Körperöffnung (Gastralöffnung) auf der Unterseite, die gleichzeitig Mund und After darstellt. Die Randtentakel sind sehr zahlreich, aber recht kurz, die Mundarme dagegen sehr gut ausgebildet und kräftig gefärbt. Die Meduse lebt frei schwimmend im Wasser (pelagisch) und kann sich durch Muskelkontraktion aktiv fortbewegen. Der durch den Rückstoß entstehende Vortrieb ist jedoch nicht sehr groß, was diese Qualle auch von Strömungen und Winddrift abhängig macht.
Lebenszyklus und Vermehrung von Aurelia Aurita:
Viele wissen nicht, dass die Medusenform nur ein Stadium der Quallen ist. Die Ohrenqualle tritt nämlich in drei verschiedenen Erscheinungsformen auf: In Form der bekannten im Wasser treibenden Meduse, die umgangssprachlich als "Qualle" bezeichnet wird und eine Lebenserwartung von 4 – 7 Monaten hat, der bewimperten Planula-Larve und dem kaum bekannten Polypen – die mehrere Jahre alt wird.
Ohrenquallen sind getrenntgeschlechtlich. Die Spermien der männlichen Tiere werden von den weiblichen Tieren aufgenommen, die befruchteten Eier in den temporär als Bruttaschen dienenden Mundarmen „zwischengelagert“ – bis sie als Planula – Larven von der Qualle in großer Anzahl freischwimmend in das Wasser abgegeben werden. Die Larven werden durch die Meeresströmung oft sehr weit fortgetragen um sich dann am Boden oder sonstigem festen Substrat, meist an einem abgedunkelten Platz, festzusetzen. Anschließend bildet sich aus der Planula - Larve ein solitärer Polyp, der sogenannte Scyphopolyp. Im Frühjahr und im Sommer nimmt er Nahrung zu sich und kann durch seitliche Knospung weitere Polypen ausbilden. Im Winter folgt dann die vollständige Metarmophose: Der Scyphopolyp bekommt durch Querteilung (Strobilation) Einschnürungen, welche ihn wie einen Tellerstapel aussehen lassen, die je acht Lappen ausbilden. Es folgt eine innere Umstellung und anschließend werden durch Kontraktion der Längsmuskeln die Scheiben abgetrennt und es entsteht die Ephyralarve (eine ca. 1mm große Meduse), die so lange im Meer als Plankton schwimmt, bis sie sich zur erwachsenen Qualle entwickelt hat. Die ,,Reste´´ des Scyphopolypen können Mundtentakeln ausbilden und noch mehrere Jahre lang, jeweils im Winter, Ephyralarven abstoßen.

Ernährung:
Ohrenquallen ernähren sich passiv. An den Tentakeln und an der Schirmoberseite sorgen Nesselkapseln zur Lähmung von kleinem, mit der Qualle in Berührung gekommenem Zooplankton. Innerhalb von 1/250 Sekunde entladen sie wahrscheinlich Neurotoxine, wobei der Nesselschlauch herausgeschleudert wird. Die menschliche Haut wird im Fall der Ohrenqualle nicht verletzt. Ohrenquallen nehmen vorwiegend Mikroorganismen, d.h. Plankton bis zu einer Teilchengröße von rund 6 mm, wie zum Beispiel Geißelträger, Schneckenlarven, Krebslarven und Ruderfußkrebschen auf, die sie nicht mit den Mundarmen, sondern mit den Wimpern der Schirmunterseite einfangen. Seltener erbeuten sie mit ihren Tentakeln und den darauf sitzenden Nesseln kleine Fische, Krebse oder Meereswürmer. Wimpernbewegungen leiten die an den Schirm anstoßenden und in Schleim gehüllten Nahrungsteilchen zum Schirmrand und bringen sie in eine der acht hierfür gebildeten "Futtergruben".
Ernährung und Haltung in Aquarien:
Vorraussetzung für die erfolgreiche Pflege von Aurelia Aurita ist neben einer sehr intensiven Fütterung eine leichte, strudelfreie horizontale und minimale vertikale Wasserzirkulation. Da sich Ohrenquallen passiv ernähren, müssen wir bei der Aquarienhaltung dafür Sorge tragen, dass die Tiere über einen langen Zeitraum mit einer großen Menge Futter in Kontakt kommen. Da Ohrenqualen in der Natur ständig Nahrung aufnehmen, muss auch im Aquarium eine sehr häufige und intensive Fütterung mit in der Schwebe gehaltenem Zooplankton oder Ersatzfutter gegeben sein. Aufgrund der Strömungsverhältnisse, welche die Quallen im Aquarium benötigen, ist der Schwebezustand des Futters jedoch leicht -fast automatisch- realisiert. Ideal ist eine Permanentfütterung, eine 3 bis 4-malige Fütterung pro Tag mit größeren Futtermengen bei anschließendem schwebenden Verbleib des Futters im Becken für ca. 1 ½ Stunden reicht jedoch nach meinen Erfahrungen ebenfalls aus.

Als Futtermittel eignen sich insbesondere lebende Artemia, aber auch Frostfutter ist !meist! kein Problem( rotes Plankton, Cyclops, Artemia ). Da die Aurelia nur einen begrenzt kleinen Teil des angebotenen Futters erwischen, bevor es in der Filteranlage
verschwindet, ist die Wasserbelastung sehr hoch und muss durch eine sehr starke Abschäumung und großzügig bemessene Teilwasserwechsel kompensiert werden. Ohrenquallen bleiben allein durch ihre pulsierenden Schirmbewegungen im Aquarium nicht in der Schwebe, sondern sinken langsam zu Boden. Darum müssen sie im Aquarium durch den Einsatz diverser „zarter“ Strömungspumpen in der Schwebe gehalten werden. Hierbei ist es außerordentlich wichtig, dass sowohl Wassereinlauf als Wasserrücklauf wirklich zart sind, da Ohrenquallen extrem empfindlich gegen mechanische Verletzungen sind. Die Tiere können einem noch so zarten Ansaugstrom fast nicht entgegen wirken und werden leicht sogar an engmaschigsten Filtersieben und ähnlichem zerrissen. Abhilfe schafft hier eine Primärströmung im Hälterungsbecken, welche verhindert dass die Tiere in direkten Kontakt mit eventuellen Ansaugöffnungen o.ä. gelangen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Pflege von Aurelia Aurita:
a) große bis riesige sogenannte „streched - Kreisel“ wie z.B. im
Montrey Bay Aquarium (Kalifornien)
b) große Zylinderbecken wie z.B. im Aquarium Berlin, Cité de la Mer
oder Fa. Globetrotter Köln
c) in normalen rechteckigen, nur strömungstechnisch umgestalteten
Aquarien.
Die Beleuchtung kann beliebig gemacht werden.
Ich hatte dies mit 2 Blaulichtleuchtstoffröhren, eine oberhalb des Aquariums, eine senkrecht an der Seitenscheibe angebracht. Beide Lampen werden mittels Reflektoren auf einen sehr kleinen, nur etwa 10 cm breiten Streuwinkel eingestellt. Hierdurch entstehen im Becken sehr unterschiedliche Lichtzonen: dunkle, schattenhafte Bereiche, in denen die Quallen nur schemenhaft zu erkennen sind und helle, strahlende Zonen, in denen sich die Quallen den Betrachtern leuchtend und fluoreszierend darstellen.
Luftblasen im Aquarium bilden eine weitere erhebliche Gefährdung für die Tiere. Quallen unterscheiden bei der Nahrungssuche nicht zwischen Plankton und Luftperle – so kann Luft in den Verdauungstrakt gelangen und nicht wieder ausgeschieden werden, zum zweiten können sich Luftblasen unter dem Quallenschirm sammeln und die Tiere an die Wasseroberfläche heben, sodass sie hier verenden. Der notwendige Eiweißabschäumer muss also korrekt eingestellt und der Wasserrücklauf absolut blasenfrei sein!
Mit Hilfe von kleinen - der Größe der Quallen entsprechenden - wassergefüllten Luftballons wird die Strömung so lange experimentell eingestellt, bis eine sanfte, strömungslochfreie Zirkulation im Aquarium entsteht. Später wird die Strömung entsprechend des Wachstums und des daraus veränderten Strömungswiderstandes der Quallen nachreguliert. Der Topffilter ist mit gut eingefahrenem Filtersubstrat aus einem Biofilter bestückt.
Auf eine Heizung kann wegen der Abstrahlungswärme von Pumpen und Beleuchtung verzichtet werden. Ein Kühlaggregat ist meistens notwendig. Die Tiere Standen bei mir bei ca. 18 Grad
Nachzucht
Die Nachzucht von Ohrenqualen wird inzwischen von vielen Aquarien erfolgreich praktiziert (Berlin, Lissabon, Cite de la mer, Burger’s Zoo u.a.) und ist theoretisch, bei ausreichendem Platz- und Futterangebot, auch vom aquaristischen Menschen erfolgreich durchführbar.
Grundlage für eine erfolgreiche Nachzucht sind eine Vielzahl unterschiedlich großer Hälterungsbecken. Während für die Scyphopolypen zur Haltung ein 3 – 4 Liter fassendes Becken ausreichend ist, müssen die nächst folgenden Nachzuchttiere entsprechend ihrer Größe und des damit sich verändernden Nahrungsanspruches sowie des sich verändernden Anspruches an die Wasserströmung in immer größer werdende Behälter umsiedeln. Der meist schwierigste Schritt ist der erste: Die Polypen müssen zur Strobilation angeregt werden. Hier gibt es unterschiedlichste Verfahrensweisen, aber kein „Allheilmittel“.
Erfolgreich praktiziert habe ich den Weg: .
-Schattige Hälterung der Polypen bei 16 0 – 18 0 Celsius bei sehr guter Fütterung, dann schrittweise Absenkung der Temperatur auf 6 0
Celsius für ca. 10 Tage bei vollkommener Abdunklung, anschließend schrittweise Erhöhung der Wassertemperatur auf 12 0 Celsius ( Licht
wieder schattig ).Sobald die Polypen zu strobilieren beginnen ( wenn 2 – 3 anfangen ziehen die anderen fast immer nach!) und sich Ephyralarven abschnüren und im Wasser frei bewegen, müssen diese sehr vorsichtig mit einer Pipette – ohne Luftkontakt - aus dem Becken in das nächst größere überführt werden. Hier hat sich als Becken ein von einer schwedischen Möbelkette angebotene „Rund-Kugelvase“ sehr bewährt, da es möglich ist, unter Einsatz eines am oberen Rand, 4 bis 5 cm unter der Wasserlinie, angeklebten Luftschlauches mit nur 20 – 30 groben Luftperlen pro Minute den gesamten Wasserinhalt in einer für die Larven sehr gut verträglichen Bewegung zu versetzen.
Ich weiß wiederspruch, da man mit Luft aufpassen soll aber so kann man einige Tiere trotzdem durchbringen.
Die kleinen Medusen erhalten anfangs winzigstes Plankton – Futter im Sinne eine Permanent – Fütterung. Die Hälterungstemperatur wird
schrittweise auf 26 0 Celsius !! erhöht. Ab einem Schirmdurchmesser von 2 cm werden die Medusen wieder umgesiedelt, diesmal in Becken, in welchen die Strömung nicht mehr mit Luftblasen, sondern mit Strömungspumpen erzeugt wird. Das Futterangebot „wächst“ analog zum Quallenwachstum mit. Ab einem Schirmdurchmesser von ca. 8 – 10 cm werden die Medusen langsam an eine Hälterungstemperatur von 19 gewöhnt und weiterhin bei dieser Temperatur gehalten.

Noch ein Tipp:
Manchmal produzieren die Scyphopolypen mehr Ephyralarven, als man Platz oder Laune hat aufzuziehen. In diesem Falle ist es leicht möglich, die Larven bei 4 – 6 Grad Celsius in einem lichtundurchlässigen Gefäß im Kühlschrank für mehrere Wochen am Leben zu erhalten. Das einzige, was wir während dieser Zeit machen müssen, ist das Behältnis mehrmals täglich leicht zu schütteln. Auch dies lässt sich einfach durchführen: In die Kühlschranktür gestellt, wird unser Ephyralarven – Vorrat automatisch jedes Mal durchgeschüttelt, wenn wir den Kühlschrank öffnen oder schließen. Bei Bedarf können wir die Larven dann an höhere Temperaturen gewöhnen und groß ziehen.
Als nächstes kommt eine Bauanleitung für den Umbau eines „handelsüblichen“ Aquariums in ein Quallen-Aquarium.
Oder soll ich erst mal andere Quallenarten weiter vorstellen?Grüße
Andy